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WOLTMAN - Archiv
 

2013 auf dem Weg nach Glückstadt und zurück

Panorama vom Marktplatz in Glückstadt

comp__MG_4387 Panorama

Ein Erlebnisbericht

Mit dem Schleppdampfer WOLTMAN nach Glückstadt.

Sonntagmorgen um 8:00 Uhr geht’s los. Bin schon ganz gespannt auf den Tag. Wann hat man die Gelegenheit auf einem über 100 Jahre alten dampfbetriebenen Schlepper einen ausgedehnten Ausflug von Hamburg nach Glückstadt und zurück zu machen.

Ich bin um 7:45 Uhr in Övelgönne am Anleger. Da liegt er, der Schleppdampfer. Fein rausgeputzt! Blanke Schiffsglocke und Lufthutzen, schwarzer Rumpf, weiße Aufbauten und das hölzerne Ruderhaus, das über allem thront. Rauch steigt aus dem langen Schornstein, das heißt, die Maschine ist angeheizt!

Ich gehe an Bord und werde herzlichst begrüsst; schau mich mal um, wo kann ich sitzen usw.. Alle sind in froher Erwartung und Spannung, wann geht es denn nun endlich los.

Es tut sich was; die Decksleute schmeißen die Leinen los. Rückwärts geht es weg vom Liegeplatz. Es ist gar nicht so laut! Hatte gedacht die Maschine macht mehr Lärm. Aber nun war “Ohren zu halten” angesagt. Dreimal tutet das Schiffshorn! Hört sich super toll an, muss man erleben! Es geht raus auf das Fahrwasser der Elbe und man hört den Maschinentelegrafen. Umsteuern auf “vorwärts” und los geht es Richtung Cuxhaven. Die Reise nimmt Fahrt auf. Vorbei an Containerriesen am Burchardkai, rechts am Strand der “Alte Schwede”, ein Riesen Eiszeit Fels, dann links die Airbus Flugzeugwerft  und wieder gegenüber der Süllberg in Blankenese. Am Ufer steht das Unterfeuer Blankenese und oben auf dem Berg sieht man die Fahne vom Süllberg Hotel und Restaurant. Weiter geht es, auf backbord die Insel Neßsand und Hanskalbsand, auf steuerbord Wittenbergen mit dem alten Unterfeuer. Am Kraftwerk Wedel vorbei wartet auf uns die Schiffsbegrüßungsanlage in Schulau. Es folgt der Bauhof Wedel mit dem WSA Hafen und direkt folgend der Wedeler Yachthafen. Jetzt haben wir Hamburg längst verlassen, fahren auf der Unterelbe und folgen den roten Tonnen.

Ganz vergessen habe ich zu erwähnen, dass es Frühstück gibt. Die Service-Damen haben frische leckere Brötchen mit Mettwurst und Käse geschmiert und ein kräftiger Schluck Kaffee fehlt auch nicht. Das lässt sich aushalten! Die anderen Mitfahrer sind genauso begeistert wie ich. Überall hört man nur positive Bemerkungen zum Schiff und zum Törn. Wir schnacken miteinander und jetzt, wo es ein wenig ruhiger wird kann ich ja mal den Schleppdampfer erkunden.

Ob ich wohl auch in den Maschinenraum kann?! Na klar, gar kein Problem. Unten angekommen riecht es nach Rauch, Öl; es zischt und die Maschine läuft ganz gleichmäßig. Es muss Öl an die Kolbenstangen gegeben werden, der Maschinist im schwarzen Overall macht das im Rhythmus der Hubbewegungen, sieht toll aus. Der andere Maschinist, mit ein wenig Ruß im Gesicht, schaufelt gerade Kohle in die Feuerstelle. Bereitwillig werden mir meine Fragen beantwortet. Wie viel PS hat die Maschine, wie hoch ist der Dampfdruck, wie viel Kohle verbraucht man am Tag usw..

Das ist schon eine spannende Sache. Macht Laune! Aber nun wird es mir zu warm hier unten und ich muss wieder an die frische Luft. Oha, wir sind ja eine ganze Ecke weiter gekommen! Plötzlich brettert die Katamaran-Fähre “Halunder Jet” auf dem Weg nach Helgoland an uns vorbei, Wahnsinn wie schnell. Sind wohl auch ein paar mehr PS und bestimmt lauter als wir!

Ich habe unseren Kapitän noch gar nicht so richtig wahrgenommen, aber er muss da sein, das Schiff fährt ja! Er sitzt im Ruderhaus und da muss ich jetzt mal rauf. Ein paar Stufen einer Leiter und ich stehe an der Ruderhaustür. Anklopfen und rein! Moin, moin! Das ist ja spannend hier. Modernste Technik (ECDIS Seekartenplotter, Funk, Radar gepaart mit einer Dampf betriebenen Ruderanlage mit großem hölzernen Schiffsruder. Mit dieser “Servolenkung” werden die Lenkketten und -stangen bewegt, die über Deck verlaufen und das Ruderblatt bewegen. Faszinierend! Der alte Maschinentelegraf gibt die Befehle an die Maschine weiter und wenn ich an der Decke an dem Band ziehen würde, ertönte das Schiffshorn. Toller Blick rundum.

Wir sind jetzt bei der Insel Lühesand auf backbord und den hohen Strommasten der Elbkreuzungen. Die höchsten Masten sind 227 m hoch damit die Durchfahrtshöhe für Seeschiffe auf der Elbe von 75 m erreicht wird. Es sind die höchsten Strommasten Europas!

Auf steuerbord haben wir nun die Haseldorfer Marsch erreicht und sehen ganz vorne auf der Landzunge den “kleinen Kohn”, den alten Leuchtturm Juelssand, heute nicht mehr benötigt, aber immer wieder gerne fotografiert! Dahinter mündet die Haseldorfer Binnenelbe, Dwarsloch, ein.

Auf der gegenüber liegenden Seite sieht man das stillgelegte Kernkraftwerk Stade, die Einmündung der Schwinge und den Anleger von Stade, Stadersand. Von hier aus könnte man nach Stade kommen, ist aber nicht unser Ziel heute. Etwas weiter Richtung Cuxhaven folgte dann das Industriegebiet Bützfleth mit Hafen und einer großen Pier für Seeschiffe. Wir haben noch ein gutes Stück Fahrt vor uns. Es geht vorbei an Pagensand auf steuerbord und Schwarztonnensand auf backbord. Die Elbe ist hier schon mächtig breit. Die Kirche von Glückstadt ist nun schon zu sehen. Jetzt müssen wir nur noch um die Rhinplatte rum um hinter der Rhinplatte den Hafen von Glückstadt zu finden. Und als wir um die Nordspitze der Insel biegen sehen wir die Fähre Glückstadt - Wischhafen vorbei fahren. In der Ferne erkennt man noch das Kernkraftwerk Brokdorf.

Jetzt fahren wir in den Hafen von Glückstadt ein. Wo machen wir fest?! Glück gehabt, eine Wassertreppe ist frei. Die Jungs vom WOLTMAN legen an, gar nicht so einfach das Manöver, aber es klappt gut. Wir haben festgemacht. Nun noch die Treppe an Bord und den Zugangssteg angebracht, dann sind wir klar für den Landgang. Etwas über 3 Stunden hat die Hinfahrt nun gedauert, wir sind in Glückstadt und haben 3 Stunden Zeit die Stadt zu erkunden. Um 15:00 Uhr geht es zurück.

Ich gehe Richtung Stadtkern von Glückstadt. Der Weg wird gesäumt von schönen alten Häusern mit Stockrosen vor den Hauswänden. Nach 20 Minuten haben wir den historischen Marktplatz, das Zentrum von Glückstadt, erreicht. Ich habe Hunger und was ist angesagter als sich nach einem schönen Matjesgericht umzusehen. Diese Idee haben auch andere Mitfahrer, die man natürlich auch hier wieder trifft. Ich habe lecker gegessen und nun spaziere ich ein wenig durch diese wunderschöne Stadt. Am Fleet geht es zurück am Marktplatz vorbei Richtung Hafen. Wenn ich mal wieder hier her komme, dann werde ich mal im Internet recherchieren, was man noch so alles sehen / besichtigen kann. Auf jeden Fall ist Glückstadt einen Tagesausflug wert!

Um 15:00 Uhr sind alle wieder an Bord und wir legen ab Richtung Hamburg. Alles klappt wie geschmiert, die “Woltmäner” sind klasse. Auf der Elbe zurück hat man nun Zeit ein wenig seine Eindrücke zu sortieren, Schiffe zu gucken (konnte man den ganzen Tag schon!) und dann gab es an Bord einen schönen Pott heißen Kaffee und ein Stück Butterkuchen. Der hat klasse geschmeckt, wie von Muttern! Wir schnacken miteinander und fühlen uns sauwohl hier an Bord. Es ist ein richtig gemütlicher Ausflug und das ruhige Stampfen der Dampfmaschine lässt mich träumen von Weite und Meer. Um 18:30 Uhr sind wir zurück in Övelgönne. Wir hatten Glück mit der Tide; Ebbe Richtung Glückstadt und Flut Richtung Hamburg, das hilft. Diese Tour habe ich sicherlich nicht das letzte Mal gemacht! Dank an die WOLTMAN -Truppe für diesen erlebnisreichen Tag!                               D.S. aus Hamburg